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ein Vaterland nirgends außer dem Kreise seines persönlichen Jchserblickt, bedarf des Lucanischen Zurufs. Aber Schlichtegrollbildete in seiner Natur den seltenen, vollen Gegensatz zu den mei-sten klebrigen in fast unglaublichem Grade. Nichts war er sichselber, Alles den Andern. Er kannte keinen Genuß der Freude,als im Wahrnehmen fremder Seligkeit und des Guten, Wahren,Gerechten und Schönen, welches sich um ihn her entwickelte.Selbst die Freuden, welche man ihm persönlich bereitete, sei esim Familien- oder Freundschaftskreise, oder durch öffentliche An-erkennung seines WertheS, hatten nur dadurch für ihn Reiz, daßer in denselben den tugendlichen, schönen Sinn Anderer erkannte;für sich selber schien er nichts gewinnen zu können. Sein reines,sich keiner Schuld bewußtes Herz hätte vielleicht nie den Schmerzgekannt; aber die Leiden der Welt, die Verirrungen der Mensch-heit, die Unfälle seiner Freunde und Bekannten, das waren seineSchmerzen, und die Bedürfnisse Anderer wurden seine Bedürfnisse,bis sie ihnen gestillt waren.
Diese Art seines Seins trat aus Allem und in den geringstenEinzelnheitcn hervor. Er war der Gehilfe und Diener Aller.Damit zersplitterte er Zeit und Kraft. Vergebens sehnte er sich,auch als Schriftsteller noch der Welt eine Arbeit seines Geistesvon bleibendem Werth zu hinterlaffen. Die Sorgen für das Öko-nomische der Akademie, für zahllose Details, die den Gelehrtenganz seiner eigenthümlichen Sphäre entrissen, die Besuche derFremden, denen er meistens selber die Schätze der königlichenSammlungen zeigte, amtlicher und ansgcbreiteter literarischer Brief-wechsel, alles für das Institut, welches er heben wollte, das Kom-men und Gehen der Befehlenden, der Gehorchenden, der um RathFragenden, führte ein stetes, stündliches, ja minütliches Unter-brechen seiner Arbeit herbei. Er mußte die Abende, tief in dieNacht, zu Hilfe nehmen, und litt Zeitmangel und sah nichts vor-