289
Gatten- und Vatcrpflichtcn, so ergriffe ich noch heut den Wandcr-stab und zöge wieder zn Menschen, die mich verstehen und lieben." —„Ich lebe," schrieb er ein anderes Mal, „dieser sich allmälig bauen-den Anstalt mit Bräntigainslicbe, aber von außen durch Mitfrcudeund Erleichterung nicht die geringste Ermunterung, sondern dasGegenthcil. Das fällt mir manche Stunde hart, dazu, da icheine unabhängige angenehme Lage aufgeopfcrt habe. — Daß esnicht umsonst ist, was ich hier thue, weiß ich. Diese tleberzeugunggibt mir Muth zum Fortwirken. Aber der Dornen sind viele aufmeinem Wege." — So schrieb er aber auch nur in der trübsten Laune,wo er selber nicht suhlte, wie innig verflochten sein ganzes Wesenmit dem aufblühenden Leben der Akademie, dieser glänzendsten derMarimilianischcu Schöpfungen, war. Aber sein Freund Jakobsverließ München, des Ungemachs müde.
Eine erfreuliche Entschädigung für alle jene gehässigen Plage-reien fand Schlichtegroll zum Glück darin, daß eben damalsdie reiche und berühmte Sammlung Cousin ery's von neuntausendgriechischen Münzen nach München gebracht worden. Hier, imAnblick des seltenen KunstschatzcS, fühlte er sich nun wieder vonallem Reize eines seiner Liebliugsfächcr angezogen. Schon überzehn Jahre lang hatte er um den Ankauf der Sammlung mit derenEigenthümcr unterhandelt; erst für den Herzog Ernst von Gotha,dann für dessen Nachfolger. Und nun endlich war es ihm gelungen,sie für sein neues Vaterland zu erwerben, als eine wichtige undin ihrer Art einzige Vermehrung der literarischen Schätze derAkademie.
Cousinery hielt ehemals diese Sammlung in einem Preisevon 200,000 Franken. Der Herzog von Gotha war auch nicht un-gcneigt gewesen, eine ähnliche Summe dafür zn geben; aber dieSammlung stand damals in Smyrna, und war nicht herauszu-bringen, weil sie dort verpfändet war. Jetzt hatte sie Schlichte-