— S5S —
Er aber selber sagte von sich: „Meine Seele, hoffe ich, ist schö-ner und edler als mein Gesicht, das herzlich gemein ausgefallenist, was mich besonders deshalb verdrießt, weil mein Vater undmeine Mutter geistreichere Züge hatten, und weil ein Mensch,der seine Jugend in Griechenland zugebracht hat, den Wunsch hegt,jede schöne Seele möchte auch in einem schönen Körper Hausen/'
Das geräuschlose und doch große Leben eines solchen Manneszu beschreiben, kann nur das Unternehmen eines geistvollen Seclen-malcrs sein, der zugleich im Kreise seiner Vertrautesten stand;etwa eines Mannes, wie der vielverehrte Jakobs in Gotha,welcher nicht nur Schlichtegrolls Jugendfreund war, sondern auch,wie ich weiß, ihm bis zum letzten Tage der Geliebteste unter allenFreunden geblieben ist, und von dem, als derselbe München imJahre 1811 verließ, Schlichtcgroll Alien klagte: „Der Unersetz-liche geht mir täglich ab, als Freund, als Akademiker, als Ge-hilfe an Bayerns Fortbildung!"
Doch selbst auch er, oder jeder andere ihm Gleiche, würdenicht fähig sein, Streben und Wirken Schlichtcgrolls nach so man-nigfaltigen Richtungen darzustellen, die nur Wenigen, vielleichtnicht Einem alle, bekannt geworden sind, wenn nicht Jeder, deres vermag, sein Schärflein dazu böte. Und ich biete hier dasmeinige, wie gering es an sich auch sein möge; aber ich glaubees den Zeitgenossen nnd den Manen des gedächtnißwürdigen Man-nes schuldig zu sein.
Die Züge, welche ich zur Geschichte seines Lebens aushebenwill, sind größtentheils einem freundschaftlichen zwölfjährigen Brief-wechsel mit ihm, oder seinen Mittheilungen im persönlichen Um-gänge entnommen.
Schlichtegroll, der Sohn tugendhafter und geachteter Ael-tern (sein Vater starb als Lehensekretär und Hosrath in Gotha),