237
Er in Stans.
Bald nachher fand ich ihn zn Stans in Unterwalden wieder;es war im Mai 1799. Die Regicrnüg hatte mich dahin mit pro-konsularischen Vollmachten geschickt, das unglückliche Land durchEinführung gesetzlicher Ordnung und besserer Verwaltung wiederzu beruhigen.
Bekannt genug ist der Aufstand, welcher durch die Wuth einigerPriester in dem frommgläubigen Volk von Unterwalden nid demKcrnwald, im Herbst 1798, erregt, und bekannt genug, wie furcht-bar er mit Blut und Flammen getilgt worden war. Bei vierhun-dert Einwohner hatten das Leben durch die Waffen der Franzosenverloren; mehrere hundert flüchtig die Heimat verlassen. VieleAndere lagen in Gefängnissen. Die noch stehenden Gebäude undHütten reichten kaum hin, den übrig gebliebenen Familien küm-merlich Obdach zu geben. Inzwischen wetteiferten die größer»Städte der Schweiz voll Mitleids, den Hilflosen Trost zu bringen.Man sandte Geld, Nahrungsmittel, Kleider und Waaren allerArt dahin. Ein Theil davon ward besonders für die vcrwaisetcn,oder verlassenen Kinder zurückgelegt, welche in einem von denFlammen verschonten öffentlichen Gebäude versammelt und ver-pflegt wurden. Diesen beklagenswerthen Kleinen ein Vater undLehrer zn werden, war Pestalozzi voll Erbarmens nach StanS ge-eilt. Mit rührendem Erbarmen opferte er sich ihnen, auf jedeLebcnsbequemlichkeit verzichtend, ja mit Gleichmut!) selbst Verken-nung, Verachtung und unverhohlenen Spott der Unterwaldner er-tragend, welche die Größe dieses seltenen Geistes nicht begriffen,und ihn für einen gelehrten Halbnarren oder für einen hungrigenSpekulanten halten mochten, der dies Gewerbe aus Armnth treibe.
Vcrmnthlich hatte er, durch Vernachlässigung seines Aeußcrn,selber die letztere Art des Nrtheils veranlaßt. Es war nichts