Druckschrift 
32 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 5 (1854)
Entstehung
Seite
232
Einzelbild herunterladen
 

- L3S

Der Schriftsteller fürs Volk.

Indessen die Bekanntschaft war gemacht und wurde fünf Jahrespäter in Luzern erneuert, wo Pestalozzi damals, ermuntertund unterstützt von der helvetischen Regierung, eine Zeitschriftunter dem Titel:Helvetisches Volksblatt" herausgab. Der Zweckdesselben sollte sein, die größere ungebildetere Masse der Nation überUrsach, Gang nnd wünschbare Folgen der schweizerischen Staats-umwälzung zu belehren. Eine schwierige Aufgabe, zumal wennman weiß, daß in jener Zeit weitaus der größte Theil des Volksin tiefster Unwissenheit über die Ereignisse des Tages lebte, weniglas, außer Kalender nnd geistliche Bücher zum Kirchcngcbrauch;oder gar nicht einmal lesen konnte. Es hatte weder Vaterlands-»och Frciheitsliebe, sondern hing ausschließlich seiner Heimat an,seinem Dorf, seinem Städtlein, stolz auf die ihm vergönnte» klei-nen Nechtsame und Freiheiten der Ortschaft, in der es wohnte.Sein Glaube war meistens gedankenlos aufgenommener Aberglaubeder Vorfahren; seine Sittlichkeit und die Gesetzlichkeit, in der essich bewegte, weit mehr Gewohnheitswesen, als Ueberzcugung.

Eines Tages trat Pestalozzi, begleitet von seinem Verleger,Heinrich Geßncr, dem Sohn des Jdyllendichters, zu mir insZimmer, um mich zu bewegen, Mitarbeiter an jenem Volksblattz» werden. Ich weigerte mich, weil dies Blatt, sowohl dem In-halt, als der Sprache nach seinen Zweck verfehle, und kein Blattfür den gemeinen Mann sei, dem cs doch eigentlich bestimmt wäre.Schon darum aber, weil es auf Kosten einer dem Volke fremd-artigen, ja verhaßten Regierung erschiene und von ihr in denDörfern verbreitet wäre, verlöre es Vertrauen und Glauben. Manwisse, cs sei kein freies, unabhängiges Blatt, darum könne csnicht die reine Wahrheit sprechen. Es müsse sich durch Unabhän-gigkeit, nnd selbst daß es zuweilen mit in die gegründeten Klagen