Druckschrift 
32 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 5 (1854)
Entstehung
Seite
214
Einzelbild herunterladen
 

214

Während die Partei, welche den Sieg so wohlfeilen Kaufeserrungen hatte, zu Bern binnen vier Wochen in einer einberufenenVersammlung der Notabel« der ganzen Republik eine Verfassungentworfen, dem Volke vorgelegt, die Annahme derselben von zweiDritteln der Schweiz erklärt, dann ins Leben eingcführt hatte,Alles das Werk kaum eines Vierteljahrs, waren die Besiegtennicht unthätig, ihrerseits Vorbereitungen zu treffen, die gesammteneue Schöpfung wieder eben so schnell zu zerstören, so bald eingünstiger Augenblick erscheinen würde.

Und er erschien. Der erste Konsul von Frankreich ließ nämlichden Schweizern durch seinen Gesandten Verninac (am 18. Juli1802) Anzeige ertheilen, daß er endlich die französischen Truppenaus ihrem Lande znrückziehcn wolle, welches seit beinahe fünfJahren die Last derselben getragen. Der Entschluß trug den Scheingroßmüthigen Wohlwollens oder seiner Ehrfurcht für Völkerrecht;war aber aus- der schlauen Berechnung ganz anderer Entwürfehervorgegangcn. Nach dem Frieden von Lüneville und Amienskonnte und wollte Bonaparte England und Oesterreich nicht infrischen Argwohn gegen sich bringen; aber eben so wenig mochteer seinen Einfluß auf die Schweiz verlieren; noch weniger ihn anOesterreich verspielen, welchem dadurch ein gefährlicher Weg zwi-schen der französischen und cisalpinischen Republik aufgeschlossenwerden konnte. Der erste Konsul sah dabei zugleich helleren Blicksin das Gewirre der schweizerischen Staatsverhältnisse, als die vonihrer Leidenschaft verblendeten helvetischen Faktionen. Er hattenur seine Truppen zurückzuziehcn, um den Bürgerkrieg auSbrechcn,und sich um Beistand oder Vermittlung angerufcn zu sehen. Sowar er gewiß, ohne alle Gewaltsmittel, ja mit der Miene einesUnzufriedenen, am Ziele zu stehen.

Kaum hatte sich die Nachricht vom nähen Abzug der fremdenKriegsvölker verbreitet, verdoppelten die Häupter der föderalisti-