— S08 —
untreu geworden sei. Wir schieden, bei der letzten Umarmung,mit nassen Augen auseinander.
, Heinrich d. Kleist und Ludwig Wieland begleiteten michbis Aarau. Wir wanderten zu Fuß, und abenteuerten einige Tagelang, in ziemlich poetischer Lust, durch Thälcr und Wälder um-her, wohin uns das Ohngefähr trieb. Bald nach meiner Ankunftin Aarau schrieb ich an Rcding noch einmal Alles, was mir Sorgefür seine Stellung und für das Vaterland eingab. Ich sah ihnin gefährlichen Täuschungen befangen. Ich weissagte ihm mit Be-stimmtheit seinen und seiner jetzigen Freunde Sturz. Er antwortetemir nicht. Die Weissagung erfüllte sich unerwartet schnell.
RedingS Sturz und Erhebung.
Durch Ueberlegenheit an Zahl und Talenten der Mitgliederneigte sich die Regierung, an deren Spitze freilich Reding stand,wider seinen Willen, mehr dem Einheitssystem der schweizerischenStaatsfvrm, hinwieder der gesetzgebende Senat mehr demFöderalismus zu. Dieser Gegensatz mußte nothwendig Zerwürfnis!herbeiführen. Der Senat entwarf eine neue Staatsverfaffung,worin zwar eine Centralgewalt, aber auch ein vergrößertes Rechtder Kantonalgewalt erschien, und jede Partei nur eine Brücke er-kannte, auf welcher man wieder, über die Kluft der Revolutionzum alteidgenösstschen Zustand zurückkehren sollte. Im Senatward diese Verfassung nur mit Mehrheit einer einzigen Stimmeangenommen; im Volke mit Kälte, oder mit ziemlich allgemeinemMißfallen, empfangen. Um aber die kleinen Kantone Uri, Schwyzund Unterwalden zu gewinnen, ward aus nichtigen Vorwändenbestimmt, sie sollten die allfällig von ihnen zu leistenden Abgaben,bis auf 720,000 Fr., für sich selbst gebrauchen. Dies erregte den