SOS
persönliches Ehrgefühl empören und ihn zur Niederlegung seinerStelle bewegen. Es geschah aber nicht. Er behielt die Stelle desLandammanns, und mehrere von den Gliedern der entgegengesetz-ten Einheitspartei wurden in den Senat und in die Negierungausgenommen.
Indessen war ich nach Bern gegangen, um den Winter daselbstzuzubringen. Wie anders standen wir Beide nun da beisammen,als jenes erstemal in der nämlichen Stadt; oder in Schwyz, daich ihn, von seiner Flucht zum Bodensee znrückgekehrt, zum ersten-mal wieder umarmte. Mit alter Liebe zwar waren sich unsereHerzen treu geblieben; aber unsere Ansichten, unsere Ueber-zeugungen von Bedürfnissen und Forderungen des Vaterlandes,stießen jetzt, entzweit von einander.
Ich besuchte ihn öfters. In vertraulicher Unterredung erinnerteich ihn an die politischen Luftschlösser, die wir einst im Ebnet fürdie Schweiz gebaut hatten; an seinen ehemaligen Wunsch, demVaterlande eine Verfassung gewähren zu können, die jener in dennordamerikanischen Vcreinstaaten ähnlich wäre. Ich mahnte ihn,er, nun an der Spitze der gesammten Schweiz, solle seine Stel-lung nicht verkennen; nicht bloß Haupt einer Partei, sondern allerParteien sein; nicht nur den Rath der bcrnischen Patrizier, oderanderer Föderalisten, sondern auch die Stimmen der achtbarstenund gemäßigten Männer von der sogenannten republikanischenSeite hören.
„Meinen Sie," antwortete er: „ich werde mich zum Büttelder Herren von Bern hergeben?"
— Aber doch sagt man mir, Herr DieSbach von Carouge seiIhr vertrautester Rath.
„Nun ja doch, ich will ihn als Gesandten an den Wienerhofschicken. Und eben den können selbst die Patrizier nicht leiden.Ihre Einheitsmänner geben jedoch in keinem Stück nach. Sie