Druckschrift 
32 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 5 (1854)
Entstehung
Seite
178
Einzelbild herunterladen
 

Millionen Schweizer nur Unterthcmen einiger Städte und Thal-gelände sogar die bürgerliche Freiheit monarchischer Unterthanenzu beneiden hatten! Wie ward die hohe Eintracht dieses Volksgepriesen, während kein Jahrhundert, seit dem ersten der Bundes-stiftung, ohne blutige Bürgerkriege, ohne blutige Aufstände derunterdrückten Völkerschaften verlief!

Es vereinigen sich die Familien der Menschen zu Staatsgcsell-schaften, um durch den Verband ihrer Kräfte, Talente und Mittelaller Art, Sicherung gegen fremde Gewalt, erhöhten Genuß desLebens und Stiftungen zur Veredelung ihres Daseins zu gründen.Dafür opfern die Einzelnen von ihrer ungebundenen, natürlichenFreiheit willig auf. — In der Schweiz sah man das Streben zumGegenthcil. Die Glieder des Staatcubnndcs, um einzeln freierzu stehen, scheuten nicht nur jede Fcstergestaltung desselben, son-dern fanden oft sogar schon seine schlaffen Bande zu lästig. DieKantone zogen, so viel als möglich, auseinander. In denKantonen wieder strebten die Bestandtheile derselben, mit ihrenkleinen Rechten und Vorrechten, die Stände, die Städte, dieDorfschastcn und Thalschaftcn auseinander. Jedes wollte, wennauch nur im schmälsten Raum, frei für sich sein und stieß dahernach allen Seiten an, wo andere Freiheiten in gleichem Maß vor-handen waren. Das Ganze ging in Zersplitterung seiner Theileunter; das Leben der Nation zerfiel in tausend isolirte Leben vonOrtschaften und Familien; die selbstsüchtige Freiheitsliebe allerEinzelnen erwürgte die Freiheit des Volks.

Daher entsprang allgemeine Ohnmacht. Nirgends National-geist; nirgends ein großes Nationalunternehmen. Auch was dieweisesten von den Regierungen, die mächtigsten von den Alpen-staaten Löbliches verrichten konnten, blieb Stückwerk. Das Besteward immer nur von Privatpersonen vollbracht, oder kleinen Ge-sellschaften erleuchteter Bürger. Die Negierungen begnügten sich