Druckschrift 
32 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 5 (1854)
Entstehung
Seite
140
Einzelbild herunterladen
 

140

Aber wie oft ist dies schon gesagt, und wie wenig verstehen diesGesagte unsere europäischen höher» Staatsbeamten, die zwar inihrem engen Gedanken-Horizont einen Friedrich den Großen, Na-poleon, Washington, Canning n. st w. erblickten, aber eben sowenig die einfachen Hebel begriffen, wodurch diese Meister dasNationalleben erhöhten, als ein Kind die Wunder einer Spieluhr.

Ich finde die ehemals gepriesene Freiheit der schweizerischenAlpenkantone nicht größer, als die Freiheit mehrerer amerikanischenund afrikanischen kleinen Völkerschaften, die sich über die erstenStufen barbarischer Rohheit emporgeschwungen haben; schreiben,lesen, rechnen können; keine Abgaben zahlen, ihre Häuptlingewählen, und eben genug haben, ihre hänslichen oder dringendstengesellschaftlichen Bedürfnisse, und zwar die geringsten, zu befriedi-gen. Weil ihnen aber Bedürfnisse edlerer Art, die nur unter Völ-kern von höherer Gesittung und Geistescntfaltung erkannt werden,durchaus fremd sind, und in ihnen »och keine Ahnung des Hoch-menschlichen erwacht ist: wollen sie dies auch Andern nicht gestatten,die unter ihnen wohnen. Sie entsetzen sich vor jeder Neuerung,wie vor einer Beleidigung des Himmels, oder wie vor einem be-ginnenden Hochverrath, und bemitleiden in ihren Hnitcn undStällen, in denen sie sich wie ein Licblingsvolk Gottes betrachten,die zivilisirtcn Nationen als verlorne Leute.

Der Gegenbesuch.

Im folgende» Jahre empfing ich in Bünden unerwartet Re-dings freundlichen Gegenbesuch. Er war vermählt*) und gekom-

) Mit einem Fräulein Lonise Wachmann, von Glarus, einem liebens-würdigen Frauenzimmer, daö bald in der Blüthe des Lebens starb.Erst in später» Jahren vermählte er sich wieder.