139
Einsicht der kenntnißvvllern geistlichen und weltlichen Obrigkeit ge-leitet wird, so wird er doch eigentlich nur geleitet; er fühlt seineBeherrschung nicht.
Ich hütete mich bescheiden vor kränkendem Widerspruch. Ichkonnte sogar, und kann auch heute, nach mehr denn dreißig Jah-ren noch, die Nichtigkeit seiner Schilderung anerkennen. Und dochstanden Schwyz und die übrigen katholischen Republiken der Alpen-ländcr, damals, wie heute, tief unter meinem Urbilde eines wahr-haft freien Gemeinwesens. Sie vereinigten damals, wie heute»och, die meisten Nachthcile der Demokrvtie und Aristokratie insich, ohne all das Gute von diesen beiden Staatsgcstaltungen ge-nießen zu können. Mit der leichten Verführbarkeit und anarchischenAnfregbarkeit einer souveränen Bolksmafse durch weltliche odergeistliche Demagogie und Parteimacherei, war der vcrderbenvolleTrieb aller oligarchischcn und hierarchischen Aristokratie gepaart,das geistige Unvermögen, die volle Unmündigkeit des Volks aufjede Weise unverletzt zu bewahren und zu befördern, um die Ab-hängigkeit der nnbehülftichen Menge für den Ehrgeiz der regie-rungsfähigen Geschlechter z» sichern.
Alle Staatsgcbilde, ohne Ausnahme, wenn sie, zu GunstenEinzelner, die Mehrheit des Volks in Entfaltung seiner höhernAnlagen und Kräfte hemmen, und eine geistige Verzwcrgung derNation begünstigen oder erkünsteln, sind nicht bloß mangelhaft,nein, sie sind gottlos, und Verbrechen gegen die Majestätder Menschheit. Am meisten werden diese Majestätsverbrechendurch die Hierarchien und Aristokratien verübt. Jede Monarchieist solchen Republiken vorzuziehen; denn sie läßt, wenigstens imheutigen Europa, den Geistern das Recht, sich frei in ihren Sphä-ren zu bewegen. Doch auch Monarchien, sobald sie mit hierarchi-schen und aristokratischen Triebfedern gemengt sind, werden ebenso bald National-Verkrüppelungsanstalten, als jene - Republiken.