120
Dieser Tag war vielleicht einer der schönsten für Erlach. Mitden schmeichelnden Gefühlen eines Triumphators zog er an derSpitze seiner Schaaren in die eroberte Vaterstadt ein, und empfinger den Dank seiner Mitbürger.
Aber bald ward ihm die kurze Freude verbittert. Der ehe-malige souveräne Rath der Stadt wurde am folgenden Tage ver-sammelt, Erlach aber nicht dazu berufen. Man ernannte eineStandeskommission von zehn Gliedern, welcher vorläufig die höchsteGewalt übertragen werden sollte, und einen Oberbefehlshaber derbernischen Truppen in der Person Emanncls von Wattcn-wyl. Erlach mußte diesem also die Hcerhaufcn, welche er zumTheil selbst gesammelt, organifirt und befehligt hatte, abtrcten,unter dem Vorwände, daß Erlachs Gesundheitsumstände ihm nichtzulicßen, das Kommando über die aargauischen Truppen fernerhinbeizubehalten.
Die Standeskvmmisfion übersandte ihm, durch zwei ihrer Glie-der, das Entlassnngsschreiben, welches in den verbindlichsten Aus-drücken abgcfaßt war, und ließ ihn befragen, auf was Art undWeise man ihn für die dem Vaterlandc geleisteten Dienste belohnenkönne? Edel genug lehnte er jede Belohnung ab, doch barg ernicht seinen Wunsch, daß man den Mann bestrafen solle, der vorwenigen Tagen den Landlcute» Befehl zu seiner Ermordung ge-geben. Edler war' es gewesen, wenn er auch diesen Wunsch insich unterdrückt hätte, welcher ohnehin niemals erfüllt wurde.
Bonaparte!s Machtspruch endete plötzlich die weitgedichencInsurrektion. Die Regierung der Schweiz kehrte wieder nach Bernzurück. Unter den Anführern des großen Aufstandes, welche ver-haftet werden sollten nach dem plötzlichen Wechsel der Dinge, warauch Erlach. Aber verborgen sieben Wochen lang in der Hütteeines Landmanns auf einem Berge, ohnweit Bern, entging er denNachforschungen seiner Verfolger.