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höchstem Grade anstößig war. Laharpe kam nach seiner Gewohn-heit zum Herrn Steiger. Dieser, ohne sich vom Sessel im Hinter-grnnce seines Zimmers zu erheben, warf dem jungen Waadtländcreinen verächtlichstolzen Blick zu und rief ihm entgegen: „Was sollIhre Aufführung bedeuten? Wir wollen schlechterdings nicht diesenNeuerungsunfug, diesen Genfergeist in unserer Waadt! WissenSie wohl, daß Sie nur unsere Unterthanen sind?" — „Nein,"unterbrach ihn Laharpe mit gleicher Heftigkeit, „nein, das sindwir nicht; wir sind, so gut wie Sie, nur der Republik und denGesetzen allein untcrthan, und andere Herren haben wir nicht,erkennen wir nicht an!" Diese Erwiederung machte Steigern be-sonnener; 'mit Großmuth schien er sich selbst wegen der Anwand-lung gebieterischen Städtcrstolzes einen Vorwurf zu machen; erstreckte Laharpen lächelnd die Hand hin, und sagte mit sanfterStimme: „Junger Mann, erhitzen Sie sich nicht. Sie habenmich unrecht verstanden. Sic wissen ja, wie lieb Sie mir sind.Wahrhaftig, es war nur Wohlgemeintheit, daß ich Sie so raschanfuhr."
Doch cs stand nicht mehr in der Macht des guten Steigers,die Wunde zu heilen, die er einem empfindlichen Herzen geschlagenhatte. Das: „wissen Sie wohl, daß Sie nur unsere Unterthanensind? " und den hohen Blick des Mannes dazu, konnte Laharpe nichtso leicht wieder verschmerzen, um so mehr, da jene erniedrigendenWorte ans dem Munde einer Person kamen, die nicht vom klein-städtischen Pöbclhaufen Berns, sondern erhaben über Vorurtheileund Eitelkeiten war.
Genug, der Vorfall verleidete Laharpen das bisherige Loos.Das Schicksal der Waadt zu bessern, daran war damals nicht zudenken; aber unter einer so entwürdigenden Verfassung zu leben,war dem, der sich gern mit dem Namen des „freien Schweizers"gebrüstet hätte, unerträglich. Schon hatte er seine Blicke auf die