Druckschrift 
32 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 5 (1854)
Entstehung
Seite
15
Einzelbild herunterladen
 

15

konnten die übrigen Schweizer nicht die Möglichkeit so abscheu-licher Plane glauben. Das Bcdürfniß besserer Staatseinrichtungen,und der Abschaffung eingeschlichener Mißbräuche, hatte zwar denWunsch einer zweckmäßigen Landesordnung allgemein gemacht; keinSchweizer aber war damals noch von Leidenschaft so weit getrieben,daß er Neuerungen auf Gefahr allgemeinen Untergangs gewollthätte.

Es war Rede, als der Sturm nahte, man müsse Steigern dieMacht der ganzen Diktatur, wo nicht der ganzen Eidgenossenschaft,doch Berns anvertranen. Ob man gleich dies standhaft zu Bernverweigerte, war es doch Aller Sinn, das Aeußerste zu wagen,wenn Frankreich mehr, als Beseitigung der Beschwerden der Waadtund Verbesserung der aristokratischen Regimentsform, begehren würde.

Also wählte man den Weg der Unterhandlungen mit französi-schen Feldherren, und rüstete sich für den Nothfall kriegerisch.Keiner aber fühlte lebhafter die Entehrung Berns durch Unterhand-lungen mit dem höhnenden Trotz eines Fremdlings, als Steiger.Unaufhörlich ermahnte er zn kraftvollen, des alten Ruhms wür-digen Entschlüssen.

Die Spaltung der Meinungen, die abwechselnde Oberhand derParteien in diesen Tagen, verursachte gefährliches Schwanken inden genommenen Maßregeln, Widersprüche in den Befehlen, Ver-wirrung und Erschlaffung, die den Untergang beschleunigten. Stei-ger hielt den Kampf mit Frankreich für unvermeidlich; darumwollte er ihn, um ehrenvoll vor Europa, und beklagt von derMenschheit, unterzugehen.

In der Versammlung des Rathes, am 26. Hornung, wurdedaher erkannt, bei den schon vorher erklärten Bedingungen uner-schütterlich zu verbleiben, und dem General von Erlach, der dieBerner Schaaren befehligte, unumschränkte Vollmacht zu ertheilen,den Feind anzngreifen, sobald der Waffenstillstand verstoßen sei.