Druckschrift 
32 : Abt. 3, Vermischte Schriften ; 5 (1854)
Entstehung
Seite
10
Einzelbild herunterladen
 

10

2. Nikolaus Friedrich von Steiger,

gewesener Schultheiß der Republik Bern.

Von Allen, welche mit dem Untergang der alten Eidgenossen-schaft, für sie fechtend, Vaterland oder Leben verloren, warkeiner, dessen Verlust lauter beklagt, dessen Geist und Herzselbst von Gegnern höher geachtet wurde, als Nikolaus Friedrichvon Steiger.

Er war geboren im Jahr 1729 aus altem patrizischen Ge«schlechte. Sein Vater, Nikolaus Sigismund von Steiger, Land-vogt zu MorgeS (welcher schon im Jahr 1748 starb), erkanntefrüh des Kindes Anlagen, und versäumte nichts, ste auf dasVollendetste zu entwickeln. Der Jüngling empfing vorzügliche Er-ziehung, und auf Hochschulen und Reisen durch die merkwürdigsteneuropäischen Staaten bereicherte er sich mit jener Mannigfaltigkeitvon Kenntnissen, mit jener Gewandtheit im Umgänge, welche ihnbald über Seinesgleichen ehrenvoll erhoben.

Früh begann er und mit Glück die bürgerliche Laufbahn inseiner Vaterstadt. Seit 1764 Mitglied des souveränen Raths vonBern, erhielt er im Jahr 1772 das Amt eines Schultheißen vonThun, und zwei Jahre nachher seine Stelle im Kleinen Rath derRepublik. Von dieser Zeit an war er es immer, ans welchen alleStimmen fielen, wenn es in wichtigern Angelegenheiten einesMannes bedurfte, dessen Einsichten durch unermüdliche Thätigkeitfruchtbar werden sollten, dessen unerschütterliche Rechtschaffenheitvon der Kunst begleitet sein mußte, Menschen zu ergründen undzu führen. So stand er in den Jahren 1775 und 1776 auf denaußerordentlichen Tagsatzunge» zu Aarau und zu Baden, wegendes französischen Bündnisses, als Gesandter; wie auch zu Solo-