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Und nun vernahm ich, wie Hermingarde und Eugenia, welche sichlieber Lucia nannte, die einzigen Kinder ihrer Mutter gewesen,die beide zärtlich geliebt hat. Ale aber nach dem Tode der Mutterder Vater in die zweite Ehe getreten, habe die leichtfertige Eugeniaschon als Kind die Gunst der Stiefmutter genossen, und Hermin-garde viel gelitten, besonders nach des Vaters Tode. Eugeniawußte mit Verstellung und Schmeichelei die Stiefmutter zu leiten;war leichtsinnig, eitel und veränderlich, und was sie that, wardgutgeheißen. So täuschend sich die Gestalte» der Zwillingsschwesterngliche», so unähnlich waren sich beider Denkarten. Sie flohen ein-ander, und wenn sie zusammcutrafen, entsprang Zwietracht. Alsdarauf durch Thvrhcitcn der Stiefmutter und ihres Sohnes dieGüter verschwanden und Mangel einzukehren drohte, sollten dieTöchter mit ihrer Schönheit den Reichthum vornehmer Anbeter indas öde Haus locken. Eugenia lieh sich willig dem eigennützigenSpiel der Stiefmutter, aber HermingardenS Sprödigkeit zog ihrden größten Haß Aller zu. Und es Warschon daran, daß Hermin-garde in ein schlechtes Kloster gestoßen werden sollte, als Eugenia'SLeichtsinn dies Schicksal abwendete. Ein Prinz ans dem HauseColonna war unter den Anbetern EugenienS der freigebigste, unddarum der begünstigst«: bei Mutter, Schwester und Bruder. Dochbald verdroß die kaum sechSzchnjährige Buhlerin, mit ihren Reizennur für Andere Neberfluß zu gewinnen. Sie begehrte in der großenWelt zu glänzen, und jeden Zwang abzuthun, und verschwand mitdem Prinzen, und man erfuhr nichts mehr von ihr, als daß sicin verschiedenen großen Städten Aufwand trieb und die Liebhaberwechselte.
Nach diesem mußte HermingardenS Schönheit Wider deren Willenund Wissen einige Jahre lang dienen, die Hand der Mutter unddes Bruders mit den Geschenken unbesonnener Liebhaber zn füllen.Als aber ihre strenge Tugend allen ein Aergerniß ward, und der