Druckschrift 
7 (1851)
Entstehung
Seite
388
Einzelbild herunterladen
 

388

Ich mochte ihm nicht antworte», und ging von dannen, dennich sah wohl ein, daß er Hcrmingarden in Verdacht genommenIch sagte aber Hcrmingarden kein Wort, nm sie nicht zu betrübe».

Am Abend des gleichen Tages, da ich bei ihr war, trat Thor-haimer in das Zimmer zu uns. Und er fuhr erschrocken zurück,da er unser ansichtig ward, als sähe er etwas Böses. Und wieihn das Fräulein um die Ursache solches Entsetzens fragte, wollteer lange nicht die Sprache finden. Endlich sagte er:Euer Geistbetet drüben in der Kirche unter dem Volke. Ich lag währendder Messe auf den Knien, und that meine Andacht, da seid Ihrgekommen und neben mir gekniet, und seid geblieben. Da ich diesenAugenblick hinweggegangen bin, wie ist eS möglich, daß ich Euchhier finde?"

Hermiugarde entfärbte sich, und ward nachdenkend. .Ihre Un-ruhe ging in mich über; denn ich kannte jenes gespenstische Eben-bild, und fürchtete dessen Nähe.

Aber das Fräulein richtete sich bald auf, und sprach freundlichzu Thorhaimern:Gehet, eilet, flieget hinüber zur Kirche, guterThorhaimer, und gebet Acht, wohin sich nach gepflogener Andachtdie Dame begeben wird, welche Ihr für mich selbst angesehen habet."

Und als Thorhaimer hinweg war, und ich furchtsam zu Her-mingardcn sprach:O du Süße, diese Erscheinung bedeutet unsererLiebe neues Unglück!" antwortete sie mit der Sicherheit der Un-schuld:Warum fürchtest du Böses? Ich halte dafür, es seiEugenia, meine Zwillingsschwestcr, die mir allzuähnlich ist. Aberich will sie gern meiden, denn sie hat mich nie lieb gehabt."

Da erschrak ich von Herzen, denn diese Worte rissen einenSchleier von allem Geheimniß meiner letzten Begebenheiten. Ichumfaßte sie und sprach:Du Liebe, warum verbargst du mir das?"

Sie antwortete:Die Schwester ist mir geworden, wie eineFremde: doch hatte ich nicht Ursache, ihr Dasein zu verhehlen."