Kardinal Guiliano großes Gut bot, die Tochter von den Stief-verwandtcn zu erkaufen, ward sie mit Bitten und Drohungen be-stürmt, daß sie keinen heitern Augenblick behielt. Und wie sie mitden letzten Grausamkeiten bedroht ward, sann sie auf Flucht, undsuchte durch die Wallfahrt nach Loretto Gelegenheit und Zeit zugewinne».
Wie ich dies Alles nun von ihr erfahren, bekannte ich ihr,wie ich vcrmuthlich die Zwillingsschwester, und keine Andere, aufder monteleonischcn Hochzeit gefunden, und aus Valva entführthabe; wie sie mich durch ihre Achnlichkeit getäuscht, daß sie sichoft über meine Verwirrung mit großem Muthwillen belustigt habe.
Hermingarde horte mich sehr aufmerksam an. Doch Alles ge-stand ich ihr nicht, denn ich fürchtete, sie zu betrüben. Aber wieein Schatten von Verdacht zog es über ihre Seele, und sie sagteplötzlich: „Bastiano, so du mich liebst, führe mich weit hinwegvon Nom — in ein Kloster, oder — am Altar vorüber in dasHaus deiner Aeltcrn." Ein schönes Noth überfiel bei diesen Wor-ten ihr Antlitz; sie legte es an meine Brust und weinte.
Thorhaimer hatte inzwischen den Gang zur Kirche vergeblichgethan. Das schöne Gespenst war verschwunden.
Ich aber eilte folgendes Tages, Alles anzukaufen, was zueiner langen Reise und für Hermingardens Bequemlichkeit von-nöthen sein möchte. Auch wollte ich Nom nicht verlassen, ohnemeines höchsten Wunsches Erfüllung, die Hochgeliebte, als Ge-mahlin, zu umarmen.
Und da ich nach manchem Geschäft kam, sie zu besuchen, fandich bei ihr den alten Franziskaner, welchem ich gebeichtet hatte.Er reichte mir lächelnd die Hand und sprach: „Euer Schicksal lagmir am Herzen, darum suchte ich Euch. Zürnet nicht meiner Zu-dringlichkeit. Ich habe durch das Vertrauen dieses tugendhaften