Druckschrift 
7 (1851)
Entstehung
Seite
385
Einzelbild herunterladen
 

385

Ich Elender habe das Himmelskind mit der voreiligen Botschaftgetödtet."

Aber das Weib winkte ihm und flüsterte leise:Nein, es istnoch nicht alles Leben geflohen. Rufet den Arzt "

Thorhaimer eilte alsobald hinweg, und wie ich Hermingardensah, und ihre von Krankheit verzerrte Gestalt, zweifelte ich nichtlänger, daß Thorhaimer die Wahrheit geredet, und mich abermalsin Valva ein höllisches Trugbild berückt habe. Und ich sank weinendauf den süßen Leichnam meiner Geliebten, und küßte ihre kaltenLippen, und rief tausend Mal ihren Namen. Darauf schlug sie dietrüben Augen auf, und starrte mich an, und seufzte einen tiefenSeufzer, und schloß die Augen wieder und ward wie eine Todte.

Da Thorhaimer den Arzt brachte, ward ich in ein anderesZimmer geführt; da lag ich verzweifelnd auf einem Ruhebett, bisder Arzt wieder zn mir kam, und versicherte, das Fräulein sei ge-rettet; doch dürfte ich mich nicht zeigen, bis den andern Tag,sonst würde,es das Leben der zarten Blume gelten. Welch einschmerzlicher Tag, welch eine qualvolle Nacht!

Wie ich des andern Morgens zn Hermingarden geführt ward,saß sie aufrecht im Bett, von ihrer Wärterin unterstützt. Siebreitete stumm und lächelnd ihre beiden Arme nach mir aus. Undwie ich sie mit den meinigen umfing, sank sie an meiner Brust zu-sammen, wie eine geknickte Lilie.

Und ich empfand in meinem ganze» Wese», daß es die Eine,die Unbescholtene und Reine sei, welche ich in Loretto zuerst er-blickt, und die mein Herz mit unsäglicher Liebe erfüllt hatte. Undich dünkte mich selbst heiliger zu sein in ihrer Nähe; es war nicht,wie bei dem schönen Gespenst im Haqse Colleferro oder Aquila,bei dessen Berührung mich ein ganz anderes Feuer ergriffen hatte.

Der Arzt, die Liebe und die Freude thaten Wunderdinge. Dieholde Kranke nahm von nun an sichtbarlich mit jedem Tage anZsch. Nov, VII. 13