321
kommen, zu Don Bevilacqua, und gen Mantua, wo ich die Ma-donna in der herzoglichen Gallerie bewundert. Wie ich daraus keineRuhe mehr genossen, bis mir Bevilacqua eine Kopie von dem Bildeder Gebcnedeiten verschafft. Seitdem trage ich dasselbe allezeitauf meinem Herzen, und verehre cs wie mein allerkostbarstes Gut;ja, ich wolle viel lieber als Bettler wieder über die Alpen nachDeutschland hinwandern, denn das Bild in Welschland zurücklassen.
Als ich dies gesagt, fragte sie nochmals, ob ich redlich sei?Und dies betheuerte ich.
Darauf that sie den Mantel auf, als wollte sie mir das Bildgeben, zog ihn aber jählings wieder um sich zusammen, als ge-reute sie cs, und fragte noch einmal, ob ich redlich sei, und wieich heiße, von wannen ich komme, und wohin ich gedenke?
Ich legte die Hand auf mein Herz und betheuerte zum andernMal, daß ich Wahrheit sage, nannte auch meinen Namen undvon wannen ich komme; dann sagte ich, daß ich gedenke, nachApulien zu reisen, des Vergnügens willen. Denn ich scheute michdoch, in diesem Stück die lautere Wahrheit zu bekennen.
Nachdem ich so geredet, schwieg sie geraume Zeit, als denkesic meinen Worten nach. Dann schlug sie den Mantel auf, undich sah wohl, daß ich mich geirrt hatte in ihrer Gestalt; sie schiennichts minder, denn alt zu sein, sondern eine schlanke Jungfrau.Als sie aber mein Bild aus ihrem Busen ziehen wollte, und dasSchleiertnch vom Gesicht auf die Seite warf, erblickte ich die Ge-benedeite wieder, wie sie tu dem heiligen Hause mir erschienen war.
Da überfiel mich ein großes Zittern und ein Entzücken, daßich's nicht beschreiben mag. Und ich sank zu ihren Füßen, dennich konnte nicht glaube», daß sie etwas Irdisches sei.
Zsch. Nov. Vli.
11