Druckschrift 
7 (1851)
Entstehung
Seite
318
Einzelbild herunterladen
 

318

verwandelte sich diese Gestalt der Heiligen in einen einzige» Strahl,,der mich blendete. Die Kirche wankte, der Boden wiegte sich wcichuntcr meinen Knien, wie eine Wolke, 2ch verlor Licht, Athemund Leben, und starb eines süße» Todes zu den Füßen der über-irdischen Königin der Himmel.

Ich wußte nichts mehr von mir, bis mich ein seltsames Getöseaufwccktc und ein Gemurmel von vielen Stimmen, Da schlug ichdie Augen auf, und sah zahllose Menschen, die um mich her knietenoder neugierig auf mich schauten. Ich lag auf einem harten Steinvon den Stufen draußen vor der Kirchthür, und ei» alter Mannfragte mich um mein Wohlsein,

Da mir nun gar Wohl und leicht umS Herz war, stand ich von demErdboden auf, und wußte nicht, was mir geschehen. Der alte Mannaber führte mich gar freundlich durch die Menge der Leute die Stu-fen hinab zur Straße, und gegen mein WirthShaus, welches ichihm beschrieb. Wie wir auf der Straße wandelten, und ich beimir nachdenkcud wurde, erinnerte ich mich wieder des Geschehenen,und wie mir in der Kirche die Hochgebenedeite erschienen sei. Dasverbreitete über mich ein stilles Grausen, denn ich wußte nun nichtgewiß, ob ich geträumt oder gesehen habe, Da fiel mir meinBildniß ein, wie ich es von der heiligen Schwelle aufgehoben.Aber ich fand es nicht mehr, welches mir große Traurigkeit ver-ursachte, Das bewog mich, umzukchrcn, denn das Bildniß wollteich nicht missen um viele tausend Gulden, Jeden fragte ich darum,und ich fragte durch die ganze Kirche, und suchte cs vordem hei-ligen Haus und vor der Kirchthür, wo ich gelegen war.

Da es nun Nacht geworden war, ging ich betrübt zu meinerWohnung, denn ich hatte meinen schönsten Schatz eingebüßt, undkeine Hoffnung, ihn wieder zu sehen. Weil mich der Kummeralso plagte, daß ich nicht zu Nacht speisen konnte, trat die Wirthinzu mir, eine betagte, wohlmeinende Frau, und fragte, was mir