3l7
Glanz der silbernen Ampeln und der Diamanten und Juwelen kaumertragen, wie gern ich auch das dadurch ganz dunkel gewordeneAntlitz der heiligen Jungfrau erkannt hätte.
Darum zog ich das Bildntß meiner Madonna von Sclafaniaus dem Busen, legte cs auf die heilige Schwelle, und betete.Da überfiel mich bei dem Anblick der Hochgebenedeitcn eine unaus-sprechliche Wehmuth, daß ich weinte, wie ein Kind. Und ich küßtedie heilige Schwelle, und blieb lange mit der Stirn am Boden,um den Leuten meine Betrübniß zu verbergen. Denn es betetenBiele hinter und neben mir.
Die Erscheinung der heiligen Jungfrau.
Als ich mich wieder aufrichtete, hatte ich ein großes Schrecken,und doch ein freudiges. Denn wie ich mein Bild von der heiligenSchwelle nahm, und es inbrünstiglich an meinen Mund drückte,seufzte zu meiner Seite eine kniende Jungfrau laut auf: o Gott!also, daß ich mich nach ihr umsah. — Ich schreibe es aber, wiecs mir widerfahren.
Wie ich nun mein Gesicht zu ihr wandte, erblickte ich die Ma-donna Sclafani'S lebendig, im vollen Glanz ihrer Himmelsschön-heit. Ihre Augen betrachtete» mich; ei» heiliger Schmerz lag inihren Gebcrdcn; und über ihre Wangen fielen zwei Thräncn, wiedurchsichtiges Silber. Sic war schneeweiß gekleidet, und um ihrHaupt war die Fülle der Haarlocken von einem himmelblauen Tuchznsammengehalten, mit Gold durchwirkt. Je länger ich sie ansah,je helleres Licht däuchtc mir um ihr herrliches Haupt zu schweben,welches so glänzend war, daß von den Strahlen die ganze Kircheund das heilige Haus bedeckt wurde. Ich vernahm ferne Gesängewie vom Himmel, und Stimmen der Engel, und ein Sausen da-zwischen, wie von den Stürmen der göttlichen Macht. Darauf