den Tod, als in diesem Aufenthalt länger zu sein. In jederNacht vernahm ich das ängstliche Geräusch und Seufzen, und ichglaubte oft einen finstern Schatten in dem Gefängniß auf und abwandeln zu sehen, daß es mir die Haare bergan trieb.
Am allertraurigsten fing ich die Nacht vor dem ersten Tag desMaien an, sintemal der Kerkermeister mir gesagt, ich werde andiesem Tage vor das Gericht gestellt werden, Rede und Antwortzu geben. Nun erwartete mich Don Alfonso Piccolomini in gleicherZeit zu PeSchiera, mir den Feuergeist zu schaffen. Ich warf michauf die Knie und weinte und betete zu allen Heiligen. Da zogich auch das Madonnenbild von Sclafani hervor, und warf michvor ihm nieder, und flehte mit Inbrunst um Erlösung und Gnade:denn ich war mir bewußt, Don Ghifilieri'S Leben nicht muth-willigerweise geraubt zu haben. Da ward mir wunderbar allerSchmerz gestillt, und ich stand sreudiglich von den Knien auf, undthat das heilige Bild wieder an meine Brust. Auch schlief ichsanft ein, wie ich noch in keiner Nacht geschlafen hatte.
Jedoch um Mitternacht erwachte ich wieder; denn es ließ sichabermals ein seltsames Getöse neben mir hören. Ich horchte, undvernahm mit Entsetzen aus der großen Stille das Seufzen desSterbenden. Da empfahl ich mich Gott und der heiligen Jung-frau und der Madonna Sclafani'S; dann schloß ich die Augen. Dochnicht lange. Es berührte Jemand meinen Fuß, und eine unbe-kannte Stimme rief: „Don Bastiano, her!" und ein Hund brummteund bellte vor meines Kerkers Thür. Da ward es wieder still.Aber ich fuhr mit großem Entsetzen vom Lager auf.
Da ich nun um mich her sah, erblickte ich am Fußboden in derMauer ein Loch, und eine menschliche Gestalt kam dadurch hervor,sagend: „Don Bastiano, her, Ihr seid frei. Schlüpfet durch, mirnach." Das däuchtete mir eine süße Musik; und ich legte michanf den Erdboden, und kroch rücklings, mit den Füßen voran,