28 t
verwandt mit den Welzern und Kärnthen. Sie habe einige Zeitin Wien gelebt, und eine Frau von Welzer-Spiegelfeld gekannt.Nun hoffe sie von mir Nachricht über dieselbe zu vernehmen.
Mittlerweile ich ihren Fragen über die Welzer Bescheid that,setzte sie ein Kredenztischlein mit Wein und Konfekt vor das Ruhe-bett. In diesem Geschäfte aber konnte sie nicht verhindern, daßvieles Verborgene ans Licht kam, welches sie jedoch sogleich scham-haft zu verhüllen bereit war. Aber ich verlor mehr als einmaldas Wort und ward so verwirrt, daß ich nicht wußte, was ichsprach. Ihr Gehen und Kommen, das Spiel ihrer weißen Arme,alle ihre Bewegungen und Reize brachten meine Sinne in Aufruhr.
Die junge Dame schien meine Nnrnhe und Verlegenheit zu be-merken, denn sie fragte: ob mir nicht wohl sei, daß ich oft mittenin einer Rede abbreche? — Ich hatte Muth genug, ihr zu erwie-dern: es sei kein Wunder, wenn der beredteste Mann vor der Liebens-würdigsten ihres Geschlechts verstumme. — Sie antwortete mit an-müthigem Lächeln: „Ihr seid zwar auch ein schöner Mann, aberdas soll kein Weib aus der Fassung bringen." — Und also gericthdas Gespräch auf neue Gegenstände gefährlicher Art. Die Damewollte auch wissen, ob ich schon geliebt habe, und der Erwähltenmeines Herzens treu sei. — Da drückte mich von ungefähr dasBild der Madonna auf meiner Brust. Ich aber wähnte, es seidas kein Ungefähr; und die heilige Wehmuth der Gebenedeitenerfüllte mich. — Als die Neugierige ihre Frage wiederholte, gabich zur Antwort: „Hätte ich geliebt, so würde ich nie davon reden." —Sie belobte meine Denkart, und sagte: „Sie wünsche keinen andernLiebhaber zu ihren Füßen zu sehen, alseinen, der mir gleiche." —Dabei sah sie mir mit bescheidenem, doch durchdringendem Blickin die Auge». Vielleicht wäre ich zu jeder andern Stunde schwachgenug gewesen, zu ihren Füßen zu falle». Doch konnte ich nichtmit mir die Allerheiligste vor dieser Irdischen demüthigen.