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eine Magd an mir vorüber, blieb stehen, sah nach mir, und fragteleise, ob ich einen Brief empfangen, daß ich hier warten müsse?Ich antwortete 3«. Darauf bat sie mich, ihr getrost zu folgen.Ich hustete und gab damit verabredetermaßcn dem Thorhaimer dasZeichen.
Das Mägdlein, behend auf den Füßen, führte mich über denPlatz in ein Haus, der Kirche gegenüber. Da ward cs so dunkel,daß man die Hand nicht vor den Augen sah. Die Magd ergriffmeine Hand, und leitete mich, bis wir wieder auf eine Straßekamen, und von da wieder in ein anderes Haus, welches wir still-schweigend auf die gleiche Art durchgingen. Wie wir nun vonneuem eine Straße entlang gingen, sagte das Mägdlein, ich solltemir die Zeit nicht lang werden lassen, denn wir seien an Ort undStelle. Zn der That ließ sie mich wieder in ein Haus treten, woich durch einen schwach erleuchteten Gang, über einen geräumigenHof, und dann zwei Treppen hoch stieg. Ich ward in ein großesPrachtzimmer gebracht, wo zwei Wachskerzen auf silbernen Leuch-tern ziemlich dunkel brannten. Da Niemand im Zimmer war, säu-berte ich die Lichter, um Heller zu sehen.
Bald darauf that sich leise eine Thür auf, und ein zartes, jun-ges Frauenzimmer blickte schüchtern herein. Die junge Dame schienbei meinem Anblick erschrocken, und sagte: „O Gott! seid Zhres?" Dann trat sie einen Schritt näher und verschloß die Thürhinter sich, und mit reizender Verwirrung sagte sie: „So späthabe ich Euch nicht mehr erwarten können. Die erbetene Stundewar längst vorüber. Zch war im Begriff, mich zu entkleiden."Und sie war in der That nur leicht und nachlässig angethan, nichtals wollte sie Besuch empfahcn; darum aber nicht minder schön.
Zch mußte mich an ihrer Seite auf ein Ruhebett niederlaffen,und ich fragte mit vieler Ehrfurcht, weswegen sic mich beschieden?Sie erzählte, wie sie von mir gehört, ich sei ein Deutscher und