Druckschrift 
7 (1851)
Entstehung
Seite
274
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war eine Mutter Gottes von überirdischer Schönheit und voll gött-licher Wehmuth. Sie schien um den geliebten Sohn zu klagen,hatte aber die warme Fülle einer fiebenzehnjährigen Jungfrau. IhrBlick drang in meine Brust wie ein Lichtstrahl, und ich ward der-maßen ergriffen, daß ich mich selber nicht mehr fühlte. Kaumhatte ich Math genug, einige Schritte näher zu thun; so großeEhrfurcht erfüllte mich ; nnd ich würde vor der Gebenedeiten nieder-gesnnken sein, wenn ich nicht bedacht, daß es doch nur ein Bild sei.

Als der Graf Bevilacqua und der Kämmerer des Herzogs mirandere Stücke zeigen wollten, schien mir Alles gering und nichtig;und ich kehrte jedesmal zu der Gebenedeiten zurück. Da folgtemir Bevilacqua und sprach:Es ist nicht übel, doch von keinemMeister, und in der falschen Manier einiger Neuen aus der römi-schen Schule." Ich gerieth kn Erstaunen, wie er von Manier undSchulen reden möge, wo die Allerheiligste glänzte.Wer ist,auchder Künstler, welcher in die Himmel gestiegen, und dort die Gött-liche gesehen und gemalt?" sprach ich, zum Kämmerer gewandt,denn ohne Offenbarung ist solche Malerei nicht gedenkbar; auchhat im Staube der Erde nie ein Geschöpf wandeln mögen, wiediese Gestalt aus den Gegenden über den Sternen."

Der Kämmerer crwiederte:Der Herzog habe das Stück, weiles ihm Wohlgefallen, von einem neapolitanischen Maler in Florenzerhandelt. Der Maler heiße Sclavant, wie auf dem Bilde stehe,sei aber nicht im Ansehen."

Ich mochte mich von dem Gemälde nicht trennen, ob es gleichAndern weniger gefiel, denn mir, und pries im Stillen des Her-zogs guten Geschmack. Sonst hatte ich Wohl auch schöne Frauenbewundert; und was ich an ihnen reizend gesunden, war doch zu-letzt nur Fleisch und Blut. Aber hier sah ich nicht mehr Fleischund Blut, sondern eine Seele aus dem Himmel niedergestiegcn,schamhaft in irdischen Staub gehüllt, einen jungfräulichen Leib,