223
Weiser, der die Geheimnisse der Natur entschleiert und die Näthselunscrs Geistes löset. Eben dies beurkundet im Allgemeine» dieVerächtlichkeit der Menschen, ihre thierische Versunkenheit, undlehrt, wie sie behandelt sein müsse». Ich gestehe, daß mich nichtEhrgeiz, nicht Herrschsucht in den ewigen Kriegen lockten; dennwas liegt mir am Lobe derer, die ich selbst verachte? SondernLangeweile in mir selbst, eine unüberwindliche Lust zur Beschäfti-gung der in mir wohnenden Kräfte, auch Neugier, wie weit ich'Streiben könne und was die Frucht eines Wagstücks sein werde,führten mich von einer Unternehmung zur andern. Ich schätze meinegefährlichsten Feinde, die Karthager, bei weitem höher, als meineerbärmlichen Freunde und Bundesgenosse», die im Staube kriechen,und stch jedem meiner Einfälle dcmnthSvoll unterziehen. Denn dieKarthager mit ihrer Macht, mit ihrer folgerechten Beharrlichkeit,mit ihrer Klugheit gaben mir doch etwas, meine Kraft zu üben;waren doch im Stande, mir den Genuß von Hoffnungen oder Furcht,von Freude oder Schrecken zu verschaffe» oder große Leidenschaftenin Bewegung zu setzen, ohne welche meine Seele dem stehendenWasser eines faulen Sumpfes gleich geworden wäre.
„ Lange und mit wechselndem Glücke machten mir die Karthagerdie Oberherrschaft in Sizilien streitig. Als ich in dieser gesichertstand, was blieb mir zu ihn» übrig. Ich entwarf den Plan, jen-seits des Meeres die stolze Beherrscherin des Ozeans selbst anzn-greifcn. Ein Wagstück! Um so anziehender für mich. Die kartha-gischen Flotten hielten Sizilien umlagert, selbst den Hafen vonShraknS gesperrt. Wie nun, ohne Kriegsschiffe, ohne geübte Ru-derer, die vortrefflichsten Seeleute der Welt verhindern, daß sie mireine Landung in Afrika unmöglich machten? Wie meine Syraknscr
zu dem Schritt bewegen, jenseits des Weltmeers zu kämpfen?-
Die Aufgabe war reizend. Und wenn ich dir erzähle, wie ich siegclösct habe, so beweise ich dir schon damit, wie man Menschen