Druckschrift 
7 (1851)
Entstehung
Seite
205
Einzelbild herunterladen
 

205

Gliedern bei den Liebkosungen des Volks, des hundcrtausendköpsi-gen, wankelmüthlgen Ungeheuers."

Dich schreckt nicht die Höhe, wo wir, nicht die Tiefe, wodie Syrakuser stehen, sondern das Ungewohnte, lieber Mikon!"sagte AgathokleS.

Gedenkst du nicht Dionysens," entgegnete Mikon,der Syra-kus vor dir beherrschte, und wie er durch Timoleon unterging?"

Aber AgathokleS ist kein Dionys!" erwiederte der König:Beinahe achtundzwanzig Jahre beherrschte ich Sizilien. Wer abersah mich je vor meinen Unterthanen zittern? Nur auf dem Thronihr Fürst, in ihrer Mitte ihr Mitbürger, haben ste dort mich fürch-ten , hier mich lieben gelernt. Wenn ich zu den öffentlichen Ver-sammlungen gehe, begleiten mich keine Trabanten. Auf meinenLustritten zeige ich mich einsam. Aber das ist die Kunst der Herr-schaft, daß Volk und Fürsten eins sein müssen, wie die vielzwei-gige Staude, auf deren letztem Gipfel die Blume prangt. Ichmit meiner Macht bin nur die Blüthe, welche Syrakus aus seinerGesammtheit hervorgetrieben hat. Mein Odem ist Siziliens Leben."

War dies vielleicht nicht einst auch DinoysenS Traum?"fragte Mikon.

Nein! " erwiederte unwillig derKöyig.Der Elende, welchersich Bart und Haare wachsen ließ, weil er nicht ohne Grausendie Schärfe eines fremden Messers um seine Kehle spielen lassenkonnte, war anit der Welt und seiner eigenen Ehre entzweit. Ichweiß gar wohl, Mikon, es gibt kein liebenswürdiges Volk; auchliebe ich das meinige nicht, als nur, insofern es nothwcndig zumeiner Größe vorhanden sein muß, wie der Strauch mit Stammund' Wurzel und Zweigen für seine Frucht da ist. Aber sich selbstkann man liebenswürdig machen, wenn man klug genug ist, nichtsanderes, als die Frucht und die Ehre des Volks sein zu wollen.Ich bin das!"