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„Wer ist glücklich?" sagte KarkinoS. „Nur die Unsterblichensind's."
„Bin ich schon kein Unsterblicher, bin ich doch ein Glücklicherunter den Sterblichen ! " entgegnete Miko». „Ich habe Gesund-heit und ein zufriedenes Herz bewahrt, die Menschen geliebt unddie Götter gefürchtet: mein Fleiß hat mir ansehnliches Vermögengewonnen. Kinder, Kindeskinder und Urenkel vervielfältigen meinLeben."
„Vortrefflich!" rief Karkinos. „Erzähle mir von deinen Schick-salen, alter Freund. Wie ist dir'S ergangen, seit wir uns trennten?"
Der Bildhauer lächelte und sprach: „Du wirst keine Lange-weile bei meiner Erzählung finden, denn sie ist bald abgethan. Ichkam, mein Glück suchend, nach Korinth. Da ging ich zu einemTöpfer in Arbeit. Zwei Jahre lang blieb ich in seiner Werkstatt.Mit unüberwindlichem Hang zur bildenden Kunst füllte ich meineMußestunden mit Nachzeichnungen göttlicher Werke des Meißelsoder mit Nachbildungen derselben aus Thon. Neben uns an wohnteder Bildhauer Kallias. Ich war, so oft ich konnte, Zuschauerseiner Arbeit. Seine Kunst entzückte mich; mehr noch die Schön-heit seiner Tochter PhaiS. Sie ward mein Urbild alles Reizes.Sie wußte es bald, daß sie es war. Ihre Zärtlichkeit belohntemeine stumme Liebe; die Götter blieben uns hold.
„Ich hatte eine Aphrodite aus Thon gebildet, und im Feuergehärtet. Diese Aphrodite — cs war die jugendliche Phais, dieaufblühende siebenzehnjährige Schönheit — sie war'S unwillkürlichgeworden. Als mein Meister, der korinthische Töpfer, bas Gebildesah, lächelte er und sprach: Ist das nicht Phais, des BildhauersKalliaS Tochter? — Heimlich wies er dem Bildhauer einst, da ichnicht im Hause war, die Aphrodite. Diesem schien meine Anlage