Druckschrift 
7 (1851)
Entstehung
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Mikon schüttelte schwelgend den Kops.

Hat mich das Atter so sehr verwandelt? Sieh mich an, Mikon!Habe ich nicht mit dir bei LamoS, dem Töpfer zu Syrakus, vormehr denn einem halben Jahrhundert, treufleißig Urne» gedrehtund Lampen aus Thon geknetet? Kennst du mich noch nicht, Alter?Erinnerst du dich nicht des KarkinoS von Thermä?"

Wie?" rief Mikon erstaunt:Du des KarkinoS Sohn? Wohl,nun dämmern mir wieder in deinen Mienen die Züge des schönenJünglings, den ich so herzlich geliebt, dessen ich nie vergaß, unddessen Gestalt ich oft, wenn ich aus dem Marmorblocke einen BachuShervorschlagcn sollte, oder einen Apollo, im Spiegel meiner Ein-bildungskraft sah."

Die Greise umarmten sich. Dann ließen sich beide auf denStufen des Tempels nieder, ihr Gespräch fortzusetzen.

Weiß du noch," rief KarkinoS,wie wir beide, den Tag vordeiner Abreise nach Korinth, im Tempel der Glücksgöttin das Opferbrachten; dann mit einander lange Zeit den ortygischen Damm aufund ab wandelten und von unserer Zukunft sprachen? Es scheint,die Göttin hat unser beider Wünsche gutmüthig erhört."

Sie hat mehr gegeben, als ich damals bat. Und hätten mirdie Götter weniger verliehen, ich würde darum nicht minder glück-lich sein."

Du warst immerdar der genügsame Mikon, und bist cs ge-blieben ! " sagte KarkinoS lachend.

Und du," versetzte Mikon,warst immer der Ungestüme, Un-genügsame, Hochstrebcnde. Ich erinnere mich wohl »och des Opfersund unserS kindischen Geschwätzes auf dem ortygischen Damm. Duschworst damals Kriegsdienste zu nehmen und nicht zu ruhen, bisdn Feldherr wärest. Deine Kleidung sagt mir'S, du hast Wortgehalten. Bist du glücklich, alter Freund?"