Druckschrift 
7 (1851)
Entstehung
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in den Zügen seines faltenreichen, hagern, von der Sonne ge-bräunten Gesichts majestätischer Ernst. Finster hingen graue Augcn-branncn über die tiefliegenden, lebhaft funkelnden Augen.

Der alte Krieger wandte sich bald darauf wieder rasch um zumTempel, als wollte er auch diesen betrachten. Da ward er MikonSgewahr. Er stutzte. Mikon erhob sich von seinem Sitze, ging demFremdling näher und grüßte.Es scheint," sagte Mikon,unsführt gleiche Absicht zu gleicher Stelle."

Der Krieger musterte den Bildhauer von Kopf zu Fuß; dannsprach er:Das wundert mich nicht halb so sehr, als daß ei» PaarGranköpse, wie wir, noch auf dieser Höhe zusammentreffen. Wiealt bist du?"

Einundsiebenzig voll und einige Tage dazu."

Wahrhaftig, genau so alt, wie ich selbst!" versetzte derKricgs-niann:Wo wohnst du?"

Drunten im Thal. Mir gehört der Landsitz."

Dir?" sagte der Kriegsmann, und heftete schärfere Blicke aufMikon.Ich sollte dich kennen, sehr gut kennen, und weiß dochnicht, wo ich dich sah."

Vielleicht in Korinth oder Athen. Da habe ich manches Jahr-zehend zugcbracht. Ich bin Mikon, der Bildhauer."

Mikon?" sagte der KriegSmann, und zog nachdcnkcnd dieStirn zusammen.Aber du bist nicht aus Griechenland?"

Nein, ich bin von Syrakus gebürtig. Hier lernte ich dasTöpferhandwerk, bis mich das Glück nach Korinth führte in dieWerkstätte des Bildhauers Kallias. Bei diesem Meister lernte ichdie Kunst."

Die finstern Züge des grauen Kriegers heiterten sich bei diesenWorten plötzlich ans. Er lächelte dem guten Mikon freundlich zu undreichte ihm die Hand.Müssen uns denn die Götter noch so spätznsammenführen?" rief er:Alter, steh mich an. Kennst du mich?"