g
hoffen, daß er der Wiederherstellcr ihrer langen Bärte und aben-teuerlichen Landestrachten sein soll.
Morgen mehr! Heute ist Ball im Peterhof.
14. August.
Sie muffen nun freilich nicht glauben, lieber Bcllisle, daßdie weitläufige Hauptstadt des russischen Reichs, welche kaum seitzehn Jahren dasteht, an Pracht und Schönheit wetteifern könnemit unserm Paris. Sie suchen vergebens die Louvres, Tnilerien,Notredamcs, Boulevards und Quais. Hier find die meisten Häusernoch von Holz, und zwar Balken auf Balken gelegt, die nur nachder innern Seite zu mit der Art glatt gehauen sind, ungefähr wiedie Hütten schweizerischer Alpendörfer. Sie sind mit Schindelnoder auch nur mit Brettern gedeckt, und um den Regen besser abzu-wehren, hat man die untere Dachseite entweder mit Rinden vonBirkenbäumcn oder die obere mit grünen Rasen belegt, daß sieim Sommer, von oben herab angesehen, Bruchstücken einer vonErdbeben gebrochenen Wiese gleichen. Es gibt bis jetzt in Peters-burg nur wenige von Steinen anfgeführte Gebäude. Die Woh-nung des Czaren, des mächtigsten Monarchen von Europa und Asien,erhebt sich am Ufer der Newa, aus Mauersteinen erbaut, zweiStock hoch. Sie hat das einzige Annehmliche, daß man von hieraus den größten Theil der Stadt und der Festung übersehen kann.Ans Befehl des Czaren müssen jetzt alle Großen des Reichs ihreGebäude massiv anfführen. Uebcrall erblickt man Fuhren, Stein-hauer, Kalkbrenner, Maurer und Zimmerleute. Das unermeßlichePetersburg stellt im Kleinen ein Bild von dem Weben und Trei-ben in der ganzen Monarchie dar, welche gleichsam von Grundauf neu errichtet wird. In der Stadt selbst ist noch Alles so neu,daß ich Ihnen nicht einmal sagen kann, wo ich wohne; denn die