59
leisen, tiefen und schweren Seufzer, welche der Auflösung vor--ergehen, wann das Leben dem Leibe zu entfliehen strebt. Eineweibliche Gestalt, in ein langes Gewand gekleidet, saß aufeinem Stein neben diesem elenden Lager; ihre Ellbogen ruh-ten auf ihren Knieen, und ihr Gesicht, abgewandt von dem Lichteiner eisernen Lampe an ihrer Seite, war über das der sterbendenPerson gebeugt. Siebenetzte denMund derselben von Zeit zu Zeitmit einer Flüssigkeit, und sang in Zwischenräumen, in leiser, mono-tonerWcise, eines jener Gebete, oder vielmehr jenerZaubersprüche,die in einigen Theilen Schottlands und iw nördlichen England vomgemeinen und unwissenden Volke angewandt werden, um dem schei-denden Geiste den Abschied zu erleichtern, wie etwa das Meßglöck-chen in der katholischen Zeit. Sie begleitete diese Küstern Töne miteiner wiegenden Bewegung des Körpers, als ob dieser damit denTakt mit ihrem Liede halten solle. Die Worte lauteten etwa so :
Matt und müde, willst du dochRinge» mit dem Staube noch?
Wirf von dir des Leibes Joch, —
Horch! die Sterbesänge!
Fort dein irdisches Gewand!
Heil'ge reichen dir die Hand,
Leiten dich zu schöner», Land, —
Horch! der Glocke Klänge!
Fürchte nicht des Winters Graus,
Fürchte nicht des Sturms Gebraus iBald ruhst du im Grabeshaus,
Und in Schlaf finkst du, worausNie du wirst erwachen.
Spute, spute dich, zu gehn,
Den» die Frist kann nicht besteh», —
Laß den letzten Hauch entwehn, —
Tag wird bald erwachen.