Von einer Ungeheuern Ucberschwemnlnng fortgerissen worden; INIJahre 1815 ward endlich die neue dnrch die Regierung des Kan-tons i>» Ban vollendet. Ans zehn weiten Binzen behauener Granit-gnadern schwingt sich das Werk 714 Schuhe lang über den Strom desTessin, welchen sonst benachbarte Gemeinden, wollten sie gen Bellin-zona, oft nicht ohne Gefahr, ln elenden Nachen überschisfen mnßten.
Jenes altersgraue Mancrwcrt, welches über den Hügeln, mitseinen zahnförmigcn Absätzen und bemoosten Burgen, wie ein In-valide in verblichener Uniform und mit unbrauchbarem Gewehr,Schiltwacht hält; dann daneben dieser stolze Brückenbau, der, zumöffentlichen Nutzen, die Berzierüng der Landschaft fügt, bilden voll-kommen den Gegensatz alter und neuer Zeit. 'Aber derselbe, oftschneidende Gegensatz, wird fast überall in der Schweiz, besondersin ehemals nntcrthänigen Gebieten, und vielleicht nirgends auf-fallender, als im Kanton Tessin erblickt. Dieser, erst seit der Re-volution selbstständig gewordene, Staat gleicht übrigens in seinerganzen Haltung noch keinem Freigeborn cn, sondern nur einemFreigelassenen, der von den verlornen Kette» der Leibeigen-schaft die Starben und Wundenmaalc an seinen Gliedern zeigt,und Schmutz und Gewohnheit der Knechtstage vergebens mit demPrachtmantcl bedeckt. Neben dem Anfstrcbcn zu höherer Bildungziemlich allgemeine Unwissenheit; neben dem FrcihcitSsiolz im Hansedcmüthige Kriecherei draußen; neben Vaterlandsphrasen gemeinerOrts- und Familien-Egoismus; neben der Fruchtbarkeit des Bo-dens unter italienischem Himmel die Nachlässigkeit der Armuth.Wer in den Städten ein Vermögen von 50,000 bis l>0,000 Frankenbesitzt, gilt als reicher Mann; auf dem Lande verhelfen schon 20,000bis 36,000 Franken zu solchem Titel. Dürftige Haushaltungenmiethen für ihren Bedarf die nöthigcn Ziegen, Schaafe oder Kühefür einige Jahre und zahlen dem Eigcnthümer wucherischen Zinsdafür. Handwerke werden nur wenige getrieben, sondern Frem-