Druckschrift 
1 (1857)
Entstehung
Seite
228
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Hüter, mögen sie nun Ehemänner, Eltern, Vormünder oderwie immer heißen. Hat doch zwischen zweien, die ein-ander verstehen, Alles seine Bedeutung! Ob sie den Fächerin die rechte oder linke Hand nimmt, ob sic über ihre

Stirn streift, oder über ihr Haar, ob sie den Kopf auf

den rechten oder linken Arm stützt, ob sie gegen ihre Nach-barin lächelt oder ernst mit ihr spricht. Und bei ihn: istcs ganz der gleiche Fall. Ein Hervorziehen des Sacktuchs,ein, zwei oder dreimal schnell nach einander; ein Augen-blick mit aufgcstütztem Arm, wie in tiefes Nachdenken ver-sunken, daun ein plötzliches Auffahren, das Betrachten derUhr, das Ausziehen eines Handschuhs oder beider,wer kann alle diese Zeichen einer Sprache nennen, die so

verschiedenartig ist, von Jedem und Jeder neu erfunden,

und mit so außerordentlicher Leichtigkeit erlernt wird. Esgeschieht das unbewußt, wir möchten sagen iustinktartig, unddas junge Mädchen, welches einmal beginnt, mit ihremGegenüber zu telegraphircn, bat, ehe es das selbst weiß,ein ganzes Alphabet bei einander und wird durch keinenAusdruck in Verlegenheit gebracht.

Wie sich sein Schicksal in Betreff des Fräuleins vonRipperda entwickeln würde, daran hatte Fernow eigentlichnoch gar nicht gedacht. Er war in gewissen Beziehungeneine von den glücklichen Naturen, welche im Stande sind,sich mit einer entzückenden Gegenwart zu unterhalten, unddie es vermögen, die finster blickende Zukunft vollständig