Ein Diner nnd zwei Frenndc. 215
der Cigarren entwickelte, hielt die Gesellschaft länger alssonst beisammen. Zn vorgerückter Stunde erst trennten sichdie Gäste, mit Ausnahme der Excellenz von ihrem Wirthe.
Als der Kammerherr aus dem Vorzimmer, wohin erseine Freunde begleitet, zurückkehrte, fand er den Oberst-jägermeister mit einem Buch in der Hand an dem Tischestehend; wenn er aber auch dieses aufgeschlageu vor sichhielt, so sah er doch nicht hinein, vielmehr starrten seineBlicke, wie in tiefen Gedanken, weit darüber hinaus. Auchwar von seinem Gesichte der Ausdruck der heitern, sarkasti-schen Laune, den er während des Diners und auch nachherso sorgfältig bewahrt, gänzlich verschwunden; auf seinerStirn lag eine Wolke trüber Sorge, er hatte die Lippenzusammengekniffen und das fast unvertilgbare Lächeln seinerMundwinkel sah trotzig und höhnend aus.
Er warf das Buch auf den Tisch, als er die Schrittedes Zurückkommenden hörte, wandte sich gegen den Kam-merherrn und sagte: „So wären wir endlich allein." Dannsetzte er in einem beinahe heftigen Tone hinzu: „Baron,ich bewundre Sie. Mit Ihrer Gewandtheit kann es Ihnennicht fehlen eine große Carriere zu machen."
Herr von Wenden sah ihn einigermaßen erstaunt auund so war auch der Ton seiner Stimme, als er entgeg-nen; „Ich begreife in der That Euer Excellenz nicht be-sonders. Sie sind so freundlich von meiner Gewandtheitzu sprechen, — ich bitte Sic um Gotteswillen, sehen Sie