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Neuntes Kapitel.
Er war der Glückliche, den sie liebte! — O Gott, wennnur nicht das gegenüberliegende Haus mit seinem vcrhäng-nißvollen Fenster gewesen wäre!
Daß die alte Frau Weiher diese schöne Tochter hatte,war ein merkwürdiges Spiel der Natur; denn man konntesich keinen größeren Gegensatz denken, und wenn man auchmit der größten Schmeichelei ihre sechzig Jahre in achtzehnverwandelt hätte, so konnte doch die regste Phantasie nichtsersinnen, was ihr eine Aehnlichkeit mit der Tochter gegebenhätte. Frau Weiher war ein kleines mageres Weibleinmit einer sehr hervorstehcnden Nase und den eckigsten Be-wegungen.
So lange Zeit als wir brauchten um diese Schilderungvon Mutter und Tochter niederzuschrciben, blieb der Photo-graph sreilich nicht an der Thüre stehen, aber doch langegenug, daß ihm Rosa mit vollem Recht zurusen konnte:„Aber Heinrich, dir mnß was passirt sein! Was Gutesoder was Schlimmes? Ich fürchte fast das Letztere, dennsonst wärst du wie sonst ins Zimmer hereingeflogen, undwir wüßten bereits, was dir auf dem Herzen liegt."
Sie hatte bei diesen Worten ihre Hände mit der Arbeitin den Schoos; sinken lassen und sich in ihren Stuhl zurück-gclehnt. Konnte sie das gegenüberliegende Fenster sehenoder nicht? Diese Frage stieg dem jungen Mann auf, undtrieb sein Blut siedeudheiß empor. Wenn sie das Fenstersehen konnte, war es entsetzlich; denn während sie so mit