Neuntes Kapitel.
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geworden, und es war ihm nie in die Gedanken gekom-men, Acht daraus zu geben, ob und wo sie saß oder stand.Heute war das leider ganz anders. Er dachte an das gegen-überliegende Hans und sein Athem ging schwer, sein Herzschlug heftiger, wenn er fürchtete, daß sie vielleicht wiederam Fenster stehen würde, ja, daß sie in dem Augenblick,da er in's Zimmer träte, wieder mit der Hand über ihrschönes schwarzes Haar fahren könne.
Jetzt war er unten angelangt, drückte leicht die Thüreaus und trat in das Zimmer. — Sie stand nicht amFenster, sic saß an ihrem gewöhnlichen Platze, an der rechtenSeite des Gemachs, wo sie immer saß, vor ihrem Arbeits-tischchen, das mit den feinen Strohhalmen bedeckt - war,woraus sie ihre kunstreichen Sachen flocht. Früher war esihm nie eingefallen, darüber nachzudenken, warum sieimmer gerade ans dieser Stelle sitze, und er hatte durchausnichts besonderes darin gesehen. Heute aber fuhr es ihmplötzlich durch den Simm Wer weih, ob sie nicht vonihrem Stuhle in das gegenüberliegende Fenster blickt? Früherwar er unbefangen auf sie zugeeilt, hatte ihr die Handgegeben und, fröhlich plaudernd, ihren Arbeiten zugesehen.Heilte blieb er schüchtern an der Thüre stehen und wagtenicht, sich ihr zu nähern, aus Furcht, zu schnell zu er-fahren, daß sein Verdacht gegründet sei. Dabei schlug ihmdas-Herz so heftig, als sei er selbst im Begriff etwas Un-rechtes zu begehen.