166
Neuntes Kapitel.
Mädchen überhaupt viel ausstehen; Tag und Nacht keineRuhe vor dem wilden Gezcug; nun, damals war ich acht-zehn Jahre alt und so übel auch gerade nicht. Sie gafftenmich an, wie es die jungen Leute von jeher gethan habenund auch nicht lassen werden, so lange die Welt steht undso lange es noch junge Mädchen gibt. — Uns gegenüberlag ein sehr hübscher französischer Kapitain im Quartier.DaS war ein Tollkopf, welcher der ganzen NachbarschaftBesuche machte. Bei uns kam er aber nicht weiter, alsbis an die Küchenthür/'
„Siehst du, Mutter, das war sehr brav von dir/'
„Das Lob verdien' ich nicht — ich hätte gern mal mitihm geplaudert. Aber um wieder auf mein Kapitel zukommen, so stand ich auch zuweilen am Fenster und hörtezu, wenn er seine lustigen Lieder sang. Da war eins, dasschloß immer mit den Worten: libantons, bnvons, trslera-lern, und das hatte ich mir leider gemerkt. Leider, sag'ich, denn eines Tags, als wir am Esten saßen, spielte dieMusik dies Lied gerade unter unfern Fenstern vorbei, undich — ich werde das all' mein Lebtage nicht vergessen, wirhatten gerade Klöße und ich einen auf dem Löffel,. mit demich eben zum Munde fahren wollte — singe so, ohne vielzu denken, die Melodie mit: (Umntons, buvons, trslerslera.Aber das Tralcralera war noch nicht von mir auSgesungen,so erhielt ich von meiner Mutter eine so ungeheure Maul-schelle, daß ich nicht wußte, wie mir geschah. Der Löffel