Ein photographisches Atelier. 145
gerade gewachsenen Menschen wie eine gewölbte. Brust aus-sieht, erscheint bei ihm als Höcker, der so weit vortrittund so hoch hinauftagt, das; er fast sein spitzes Kinn dar-auf stützen könnte. Obendrein ist seine linke Schulter höherals seine rechte, und da er diesen Mangel durch eine ge-zwungene Haltung zu verdecken sucht, so gibt ihm das et-was Geziertes, welches widerwärtiger erscheint, selbst alssein krüppelhafter Körperbau. Der kleine Mann ist Maler,retouchirt die Photographicen, wo es verlangt wird, undmalt den jungen Damen auf den Daguerreotypen rothe,schwindsüchtige Backen. Ta er den Kopf selbst bei der Ar-beit immer etwas auf die linke Seite geneigt trägt, somag es wohl daher kommen, daß er sich angewöhnt hat,mit seinen Augen Alles von unten herauf zu betrachten,wodurch sein Gesicht einen lauernden Ausdruck erhielt. Lei-der aber sind wir gezwungen hinzuzusetzen, daß dieseslauernde, unstäte Aufblicken in seinem Charakter begründetund anfänglich wohl aus dem Mißtrauen entstanden war,das ihn gegen alle gerade gewachsenen und von der Naturbesser behandelten Menschen erfüllte. Vielleicht hatte erauch als Kind von Lust, Glück und Liebe geträumt; viel-leicht hatte er sich sogar später, seiner verkümmerten Ge-stalt noch nicht recht bewußt oder im verzweifelten Wagnis;einem geliebten Wesen genähert und war durch ein sonder-bares Lächeln aus allen seinen Himmeln gestürzt worden,tief hinab in die Finsternis; eines zerstörten Gemüthes, wo
10
H n ckliind er. Der Augenblick des Glücks. I.