Ein photographisches Atelier.
143
möglich zu halten und so krampfhaft auszusehcn, so schmerz-lich zu lächeln und den Beschauer so stier anzublicken, daßman nicht umhin kann, an plötzlich ausbrcchenden Wahn-sinn, an Schlagflüsse oder dergleichen zu denken.
Künstlerisch schön aufgefaßt war dagegen das Portraiteines jungen Mädchens, welches selbst von der gespenster-haften Maschine mit Liebe wieder gegeben worden zu seinschien. Dies Blatt mehrmals vervielfältigt, war ohne alleRetouche und gab trotzdem ein sehr liebliches Bild, dasvon einer wunderbaren Aehnlichkeit sein mußte. ''Das jungeMädchen, obgleich im einfachen Hauskleidc, zeigte eine pracht-volle Gestalt; sie hatte den Kopf etwas erhoben und schienmit ihren Hellen klaren Augen in die Höhe zu blicken. Eswar als lauschte sie etwas Angenehmem, so war der Aus-druck ihres Gesichts und das drückten die leicht geöffnetenseinen Lippen aus. Ihr rundes Gesicht war umgeben vonreichem, kunstlos und doch ungemein kokett ausgestelltemHaar. Sie ließ die zusammen gelegten Hände hcrabhängenund hielt zwischen den Fingern etwas, das wie ein Bou-quet ausschaute; bei näherem Betrachten aber sah man, daßes eine kunstreich gearbeitete Strohschleife war. Einmal be-fand sich dieses Portrait an der Wand in einem schönenaus Holz geschnitzten Rahmen; und wo dieser am Nagelhing, da bemerkte man einen Strauß vertrockneter Feld-und Waldblumen mit zierlichen Gräsern, die so über dasPortrait hereinnickten, daß man glauben konnte, die klaren