Ein Augenblick des Glücks. 119
ihn, neigte ihn leicht und sagte: „Guten Abend, Herr vonFcrnow," als sie vorübergehen wollte.
Abends ist das Herz empfänglicher für ein innigesWort, namentlich nach einer kleinen Emotion. Der jungeOffizier holte in diesem Augenblick mühsam Athem. DieHand, die aus seinem Säbelgriffe lag, bebte fast; er redetesich ein, gesehen zu haben, das; Helene langsam gegen ihnzu kam und daß sie zögerte, vorübcrzugehen; er glaubte,ihre Bewegung mit dem Kopse gegen ihn sei herzlicher ge-wesen, als sonst; er meinte, ihre Stimme habe gezittert,als sie sprach: „Guten Abend, Herr von Fernow."-
„Mein Fräulein," sagte er und trat einen Schrittvor. „Herr von Fernow," cntgegnete sie; und dabeihemmte sie ihre Schritte, ja, sie blieb stehen und wandtesich gegen ihn.
„Es ist kühn von mir," brachte er mühsam, mit fasttonloser Stimme hervor, „daß ich wage, Ihren Weg znunterbrechen und Sie anzuredcn, und obendrein anzuredenin einem Augenblick, wo ich mich in großer Ansregung be-finde. Ja, mein Fräulein, — — seien Sie gnädig, seienSie gütig gegen mich und verzeihen Sie es dieser Auf-regung, daß ich mich unterstehe, mit Ihnen zwei Worte zusprechen."
Er hatte das mit so bewegter, fast zitternder Stimmegesprochen, daß das junge Mädchen offenbar daraus ent-nehmen mußte, er befinde sich in einer ganz besonderen