Druckschrift 
1 (1857)
Entstehung
Seite
107
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Im Kabinet des Kammerdieners.

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Es gibt ein altes Sprichwort: Wie man in denWald hineinschreit, so hallt es heraus; und ich kann Sicversichern, Herr von Fernow, es gibt an jedem Hofe un-bedachtsame Leute, die einen Kammerdiener des regierendenHerrn nur wie ein Ding betrachten, wie eine Sache, gutgenug, um anzumelden und die Thür zu Offnen. Und

das ist doch eine sehr unrichtige Ausfassung unserer Stellung."

Allerdings eine unverantwortliche Ansfassung."

Freilich sitze ich weder im Staatsrathc, noch habe ichStimme im Ministerium," fuhr Herr Kindermann leiseschmunzelnd fort;dagegen aber," setzte er mit großemSelbstgefühl hinzu, während er leicht seine weiße Halsbindestrich:dagegen bin ich es, der Seine Hoheit in unbe-wachten Augenblicken sieht, der Höchstdemselben die Hals-binde knüpft, ihm den Säbel umschnallt, und'der ihm vorallen Dingen Parfüm auf das Sacktuch träufelt. Siesehen mich erstaunt an, Herr von Fernow; aber ich bingegen Sie ungeheuer offenherzig, schon dem Andenken anden Papa zu Liebe; und ich versichere Sic, die drei , soebengenannten Verrichtungen, namentlich die letztere, sind fürmich von der größten Wichtigkeit. Verstehen wir uns recht.Es ist da irgend Etwas los, worüber ich gar zu gern dieMeinung Seiner Hoheit hören möchte. Nun ist es miraber uni Alles in der Welt nicht erlaubt, den Herrn ge-radezu anzuredcn. Ich knüpfe also die Halsbinde ein wenigfester, als gewöhnlich; Seine Hoheit sagt vielleicht gar nichts