Diner bei Hofe.
61
rechten Arm zu legen: „Latin," sagt sie endlich; „ich be-greife nicht, wie unsere sonst so umsichtige Intendanz solcheStücke nur aufführen lassen mag."
Die umsichtige Intendanz sitzt uns gerade gegenüberund da sie an dergleichen Reden gewöhnt ist, so lächelt siestill vergnügt in sich hinein; ja, der gute Bordeaux, densie so eben getrunken, hat ihr Herz milde gestimmt undwährend sie die Selbstverleugnung so weit treibt, das Stückin einigen Theilcn allerdings ein wenig stark zu finden,versichert sie dagegen, daß der Vinäva nux trusses, mit demsie sich gerade beschäftigt, entschieden die feinste Schüssel sei.
Nun weiß aber der geneigte Leser hoffentlich aus Er-fahrung , daß ein Hinäon riux trulkes warm gespeist werdenmuß, und ebenso gut, daß ein Bissen, der fünf Minutenlang zwischen Himmel und Erde schwebt, erkaltet. Da dieHand meiner Nachbarin von meinem Arme nicht weichenwill, so mache ich cs, wie irgend ein Held in einer be-liebigen Schlacht, dessen rechter Arm so eben gelähmt wurde:auch ich nehme ruhig meine Waffe in die linke Hand; dochkaum glaube ich, sie glücklich zum Munde führen zu können,als meine Nachbarin zur Linken, die in höchster Indignationstille geschwiegen, und es vielleicht auch unter ihrer Würdehält, das angegriffene Schauspiel zu entschuldigen, jetzt mitaffectirter Gleichgültigkeit ihr Glas vor mich hinschicbt undum ein wenig Wasser bittet.-
Wäre ich in diesem Augenblick ein Araber der Wüste,