Druckschrift 
1 (1857)
Entstehung
Seite
49
Einzelbild herunterladen
 

Diner bei Hofe.

49

ja geistreich, und wenn sie auch zuweilen Blicke hinaussendenkonnte, die Zeugniß gaben von der Wärme ihres Herzens,so glänzten doch meistens ihre Augen ruhig und angenehm.Ihr Teint war trotz der dunkeln Haare von einer außer-ordentlichen Frische und Weiße, und was vielleicht ein über-aus strenger Beurtheiler an diesem Gesichte hätte tadelnkönnen, waren etwas starke Lippen, die aber dabei von denedelsten Formen in rosiger Frische der Jugend blühten.Der Wuchs dieses Mädchens war das Schönste, was mansehen konnte, und selbst von den andern Damen so aner-kannt, daß sie bei allen Vergleichungen eine Ausnahme war.Wie oft konnte man in vertrauten Gesprächen hören, wennvon einer Taille, einer Büste, von einem Arme die Redewar: Ja freilich, Helene, sie darf man da nicht nennen;sie macht freilich eine Ausnahme.

Nachdem sich das knixende und verbeugende Heer derHofleute endlich beruhigt hatte, um in den: allgemeinenSturm und Drang seine tiefe Ergebenheit an den Tag zulegen, vielleicht auch eine einzelne alte Hofdame, sich vomBlick Ihrer Durchlaucht getroffen glaubend, nochmals ehrer-bietig in sich zusammensank, oder aus der Ferne die ganzunterthänige Verbeugung eines längst vergessenen Kammer-herrn wetterleuchtete, während der Regent langsam im Kreiseumherging, diesem eine Artigkeit sagte, jenem ein minderfreundliches Wort, hier ein äußerst, gnädiges Kopfnicken hatte,vielleicht sogar eine wohlwollende Handbewegung, dort da-Hackliindcr. Der Augenblick des Glücks, ll. 4