212 "Wärme-Entwickelung bei der Vegetation.
Saamen gehen — ein Gegenstand, auf den ich bei derLehre von der Ackererde zurückkommen werde.
Es ist lange eine Frage gewesen, ob die Erscheinun-gen des Pflanzenlebens im Allgemeinen von einer Erhö-hung der Temperatur begleitet sind. Man hat sich durchThermometer-Versuche zu überzeugen gesucht, dafs dieBäume in ihrer Masse einige Grade höhere Temperaturbehalten, als die umgebende Luft hat; die Resultate sindaber so veränderlich gewesen, dafs man mit Grund alleTemperatur-Unterschiede von dem Umstande abgeleitethat, dafs das Holz langsamer die Temperatur der äuße-ren Luft annimmt, und man also, wenn sich diese ver-ändert, die innere Masse des Baumes bisweilen etwaswärmer, bisweilen etwas kälter als die Luft außerhalblinden wird. De Saussure hat mit großer Wahrschein-lichkeit vermuthet, daß Absorbtion von Sauerstoffgas durchdie grünen Theile der Pflanzen, wie bei den Thieren,eine Ursache von Wärme-Vertheilung sein könne, abergewiß kann es ihr nicht zugerechnet werden, weil sie soleicht von dem dünnen Blatte durch die umgebende Nacht-luft weggenommen wird. Der einzige Fall, wobei eineWärme-Entwickelung mit einiger Sicherheit bekannt ist,ist bei dem Befruchtungs- Prozesse, wie ich oben erwähnthabe, und hierbei entwickelt sich Wärme bisweilen inMenge. Hubert hat gefunden, dafs die Bliithen vonArum cardifolium, in dem Augenblick, wo sie sich öff-nen, eine so starke Wärme entwickeln, daß 12 solcher,um eine Thermometerkugel gestellter Blumen die Tempe-ratur von —(—26 bis -(-62° erhöhten.
Es ist allgemein bekannt, dafs die Pflanzen kein Ge-fühl und keine Bewegung haben. Einige scheinen gleich-wohl mit beiden begabt zu sein, z. B. Mimosa sensitiva,Hedysarum gyrans , Dionea muscipula u. m. a., undsehr viele Pflanzen verändern ihre Stellung nach der Ta-geszeit. Sehr viele Pflanzen ziehen ihre Blätter zusammen,schließen ihre Blumen, verändern ihre Stellung am Abendund gellen wieder auf beim Erscheinen der Morgensonne.Diefs nannte Linne den Schlaf der Pflanzen. Man hat