176 Unser Wissen in der Pilanzenphysiologie
Pflanzen - Chemie.
Die Kenntnifs von dem Baue der lebenden Körper,von dem Zusammenhänge und den Verrichtungen ihrerverschieden beschaffenen Th eile, wird Physiologie genannt.Diese Wissenschaft begreift also das Mechanische im Bauund das Chemische in der Zusammensetzung der Theileund in den Prozessen. Unglücklicherweise sind uns in-dessen die letzteren so verschlossen, dafs uns die Chemienur gar zu wenig über das zu sagen hat, was im leben-den Körper vorgeht. Es ist einleuchtend, dafs sich dieseKenntnifs nothwendig auf eine vorhergehende Bekannt-schaft mit dem Baue gründen müsse. Je mehr sich dieLebenskraft solcher Prozesse bedient, die denen der un-organischen Natur gleich kommen, und je weniger siesich durch Thätigkeit und Selbstständigkeit ausdrückt, umso verwickelter, undeutlicher ist der Bau, und um soschwieriger sind die Zwecke der einzelnen Theile zu er-forschen. Deshalb ist auch noch, aller Bemühungen un-geachtet, unser Wissen von der Anatomie der Pflanzen inseiner Kindheit, und ihre Physiologie weit hinter der derThiere, von der wir wiederum am meisten bei den aus-gebildetsten Thierklassen wissen. Bei diesen hat sich dieLebenskraft in zwei Mittelpunkten, im Gehirn und imHerzen, concentrirt, auf welchen das individuelle Lebeneines jeden einzelnen Theiles entschieden beruht. DasAufhören der Gemeinschaft mit denselben vernichtet inwenigen Augenblicken in dem getrennten Theile allesLeben. Diese Wirkung auf Abstand erforderte deutlicherausgebildete Formen, die leichter zu verfolgen, und hin-sichtlich ihres Endzweckes zu bestimmen waren. Bei denPflanzen dagegen finden sich keine solche Mittelpunkteder Lebenskraft; ein jeder einzelne Theil enthält die Be-
din-