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Sechzehntes Kapitel.
Wir wollen nicht behaupten, daß sich Rosa, als siemit Herrn Böhler allein war, nicht ein klein wenig ge-schämt hätte; sie mochte ihren Kopf nicht aufheben, undder Photograph brauchte bedeutende Anstrengungen, ehe erso weit kam, in ihre Augen blicken zu können. Warumbrauchte er ihr aber auch daS Geschäft des Kopfaufrichtensschwerer zu machen als gerade nothwendig war! Warumbrauchte er sie auf die Stirn zu küssen, als sich diese lang-sam erhob! Warum später auf die geschlossenen Augen unddann auf die leicht zuckenden Lippen — warum? Wirsind eigentlich nicht im Stande, hierüber eine genügendeAntwort zu geben, und können dem verehrlichen Leser nurbemerken, das; er es vielleicht gerade so gemacht haben würdein einem ähnlichen Augenblicke des Glücks.
Herr Krimpf hatte von dein Moment an, wo er aufdie Treppe gegangen war, um kühlere Luft zu athmen,die Qualen eines Verdammten durchgemacht; er hatte ge-sehen, wie der Herr von drüben leise die Treppen herauf-schlich, er hörte ihn anklopfen, er hörte Rosa „Herein!"rufen, und als sich die Thüre hinter dem Besuch geschloffen,hoffte er angsterfüllt mit klopfendem Herzen auf einen lautenAufschrei des Mädchens und dann auf das plötzliche Wie-dererscheinen des unwillkommenen Besuches draußen vorder Thür. Aber der Baron erschien so bald nicht wieder.Da hatten seine Hände bald das Geländer krampfhaft er-faßt, bald hatten sie wild nach seinem Kopfe, nach seinen