Rosa.
175
finster hinzu, „so wäre cs besser, — Sie würden mirglauben."
„Und der Brief?" lachte Herr von Wenden. Und wäh-rend er bei diesen Worten leicht an ihrem vollen Arm he-runter fuhr, blitzten seine Augen auf eine seltsame Art.
„Ich weiß nichts von einem Brief," sprach fest undbestimmt das Mädchen.
„O, wie kann man so läugnen!" fuhr der Kammer-herr im freundlichsten Tone fort. „Der Brief den Sie cr-balten, und die Erlaubnis;, Sie zu besuchen, die Sie mirdarauf gaben!"
„Das ist nicht wahr!" rief Rosa entrüstet. „Das isteine Lüge, eine Schändlichkeit! Ich weis; weder von einemBriefe, noch viel weniger von einer Antwort. — O meinGott, womit habe ich das verdient! — Durch nichts, durchgar nichts!" rief sie heftiger, „und ich will, daß man michin Ruhe läßt." Sie machte bei diesen Worten eine gewalt-same Bewegung, ihre Hand zu befreien, da aber derKammerberr, dies vorhersehend, auf seiner Hut war, undsie fester hielt, so brachte ihre Bewegung die entgegengesetzteWirkung hervor. Statt sich und ihre Hand zu befreien,verlor sic für eine Sekunde das Gleichgewicht, wodurch esdem Kammerberrn gelang, seinen andern Arm um ihreTaille zu legen und sie für einen Augenblick an sich zudrücken.
Freilich nur für den ersten Augenblick, denn im andern