1b6
Sechzehntes Kapitel.
daß Beide außer dem herkömmlichen guten Morgen nichtsweiter mit einander redeten. Frau Böhler ging in ihreKüche, und da keine dringende Arbeit vorhanden war, nahmHerr Krimpf seinen Hut, um etwas frische Luft zu schöpfen.
Er stieg langsam die Treppen hinab, und nachdem er einenAugenblick überlegt, klopfte er an die Thür von der Wohnungder Frau Wittwe Weiher. Auf ein lautes „Herein!" deralten Frau öffnete Herr . Krimpf, und ein einziger Blick indas geräumige Zimmer belehrte ihn, daß Rosa ausgegangensei. Ihre Mutter saß am Tische neben dem Ofen undschälte Kartoffeln.
Der kleine Maler nickte ihr freundlich mit dem Kopfezu und dann ließ er sich faul und nachlässig, wie Jemand,der außerordentlich viel Zeit übrig hat, auf einen Stuhl, '
der alten Frau gegenüber, nieder. „Immer fleißig?" fragteer alsdann gähnend.
„Man muß wohl!" meinte Madame Weiher. „Wernichts schafft, hat nichts zu essen, oder es muß Einem sogut gehen, wie Euch."
„Daß sich Gott erbarm'," entgegnete Herr Krimpf,und seine weißen Finger zuckten nach seinem Haar. „Unsgut gehen! Davon Hab' ich lange nichts mehr gemerkt. Ihrhabt doch was, wenn Ihr arbeitet, wir aber da oben — c,
na, na, man muß sein Geschäft nicht verachten."
„So, so? Es geht wieder einmal gar nicht?" fragteneugierig die alte Frau, wobei sie Kartoffeln und Messer